Wichtiges zum Immobilienkauf

Die Zinsen für Immobilienkredite sind derzeit sensationell billig. Also eine Immobilie kaufen, weil Sparguthaben (fast) keine Zinsen mehr erzielen und Aktien zu riskant sind? Ggf. sollte dabei bedacht werden:

Die Zinsen sind zwar sehr günstig, aber die Kaufpreise sind in den letzten Jahren wegen der hohen Nachfrage kräftig gestiegen. Die Verkäufer haben also den Zinsvorteil für den Käufer schon zu ihren Gunsten berücksichtigt.

Die Zinsbindung sollte möglichst lange vereinbart werden, da die Zinsen sicher irgendwann wieder steigen, am besten also für 20 Jahre fest.

Am Ende der Zinsbindung sollte so viel getilgt sein, dass dann ein höherer Zins verkraftet werden kann.

Keine komplizierte Finanzierung vereinbaren, die nur Fachleute durchschauen. Neue Bausparverträge müssen erst über Jahre bei niedrigen Zinsen angespart werden und der Vermittler erhält eine Provision, die zusätzlich bezahlt werden muss.

Auch wenn die Makler drängen und angeblich viele Interessenten kaufen wollen, sollte nie überstürzt eine Immobilie gekauft werden.

Zuvor sollte ein Baufachmann die Immobilie „auf Herz und Nieren“ untersuchen, um den Sanierungsbedarf und die damit zusammenhängenden Kosten zu ermitteln.

Eventuelle Baulasten sollten bei der Gemeinde eingesehen werden. In der Bauakte bei der Gemeinde kann man auch feststellen, ob das Gebäude und alle Teile des Gebäudes genehmigt worden sind.

Alle Hausunterlagen sollten geprüft werden (Grundsteuerbescheid, Versicherungsverträge, Gas-, Wasser-, Stromrechnungen, Mietverträge, Energieausweis etc.).

Der Kaufpreis sollte gegengeprüft werden durch einen Sachverständigen oder einen anderen Fachkundigen, der die Lage auf dem öffentlichen Markt gut kennt. Viele Angebote sind viel zu teuer.

Die Lage der Immobilie sollte genau untersucht werden. Wo ist der nächste Bahnhof, wo der nächste Autobahnanschluss, wie sind die Busverbindungen, wo sind die Schulen, die Kindergärten, die Ärzte, die Einkaufsmöglichkeiten? Ist die Immobilie Lärmimmissionen ausgesetzt durch Straßenverkehr, Bahnverkehr, Flugverkehr, Sportanlagen, Gewerbebetriebe etc.?

Nicht zuletzt ist es empfehlenswert, sich für die künftige Nachbarschaft etwas zu interessieren, mit denen man möglicherweise über Jahrzehnte nebeneinander leben wird.

veröffentlicht am 20.04.2016 in Brühl

von Herrn RA Herbert Poetes,
Fachanwalt für Arbeitsrecht