Raus aus der Schuldenfalle

Seit Juli 2004 ist das Insolvenzrecht für Privatpersonen neu geregelt worden. Danach gibt es nun auch die Möglichkeit, seine Schulden durch die sogenannte Restschuldbefreiung schon früher loszuwerden.

Bis zur Neuregelung musste der Schuldner immer sechs Jahre lang von seinem Einkommen die pfändungsfreien Beträge abschöpfen lassen und alle nicht lebensnotwendigen Wertgegenstände des Schuldners wurden vom Insolvenzverwalter gepfändet und verwertet. Nach der Neuregelung kann die Restschuldbefreiung schon nach drei Jahren erfolgen, allerdings muss der Schuldner dann, abweichend zur früheren Regelung den Gläubigern wenigstens 35 Prozent ihrer Forderungen erfüllen und zusätzlich die Kosten des Insolvenzverfahrens tragen in Höhe von wenigstens ca. 2.000,00 €. Dass wird den Schuldnern in aller Regel nur möglich sein, wenn ihnen Verwandte oder Freunde diese Geldbeträge zur Verfügung stellen, etwa bei Jugendlichen, die sich teure Handyverträge und/oder Ratenkreditverträge für Konsumgüter haben aufschwatzen lassen, ohne die damit verbundenen Belastungen tragen zu können.

Kann diese Quote nicht erfüllt werden, aber wenigstens die Verfahrenskosten getragen werden, verkürzt sich das Verfahren immerhin um ein Jahr auf 5 Jahre.

Kann der Schuldner auch diese nicht tragen, bleibt es bei den bisherigen sechs Jahren.

Neu ist schließlich auch das sogenannte Planinsolvenzverfahren für Verbraucher, wodurch eine Entschuldung unter Umständen schon in einigen Monaten möglich ist. So kann der Schuldner seine Gläubiger in Gruppen einteilen und dann mit den jeweiligen Gruppen einzeln über eine Rückzahlung und eine bestimmte Quote verhandeln. Soweit dann die Mehrheit der Gläubiger diesem Insolvenzplan zustimmt, müssen auch die restlichen Gläubiger zustimmen, sofern sie nicht durch den Plan benachteiligt werden.

Wer in Zahlungsschwierigkeiten gerät, sollte möglichst frühzeitig eine Beratungsstelle aufsuchen, am besten eine gemeinnützige Stelle, da dort die Beratung entweder kostenlos ist oder nur eine geringe Beratungsgebühr erhoben wird.

veröffentlicht am 25.11.2015 in Brühl

von Herrn RA Herbert Poetes,
Fachanwalt für Arbeitsrech