Pflegekräfte aus Osteuropa engagieren?

Sind Familienangehörige dauerhaft krank oder pflegebedürftig, etwa die Eltern oder Großeltern, und die Kinder können schon aus Zeitgründen die vollständige Versorgung nicht übernehmen, bleibt oft nur die Frage: Heim oder eigene Pflegekraft engagieren?

 

Fällt die Entscheidung für eine Pflegekraft, etwa weil die Großmutter in Ihrer vertrauten Umgebung bleiben will, wählen die Angehörigen in der Regel eine osteuropäische Pflegekraft aus der Europäischen Union, weil eine Pflegekraft aus Deutschland in der Regel sehr viel teurer wäre.

 

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

Man kann eine Pflegekraft selbst suchen und einstellen (Arbeitgebermodell). Dann muss ein Arbeitsvertrag geschlossen, eine Arbeitszeit festgelegt werden, Urlaub gewährt werden und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geleistet werden. Der Mindestlohn für Pflegekräfte beträgt zurzeit 11,05 € pro Stunde. Hinzu kommen die Kosten für die Sozialversicherung (mindestens 20 % vom Arbeitgeber zu zahlen) sowie Verpflegungskosten und eventuell Reisekosten ins Heimatland. Eine Rundumbetreuung dürfte nur mit zwei Pflegekräften zu gewährleisten sein, also auch mit doppelten Kosten.

 

Wegen dieses Aufwandes entscheiden sich die meisten Pflegesuchenden für eine Agentur, die Pflegekräfte und Haushaltshilfen aus osteuropäischen EU-Staaten vermittelt. Die Agenturen suchen über osteuropäische Firmen, die als Arbeitgeber fungieren, Pflegekräfte und vermitteln diese an die hiesigen Auftraggeber. Dies ist nicht illegal, soweit die sogenannte A1 Bescheinigung vorgelegt wird, die belegt, dass im Heimatland Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden. Der Vorteil dieser Alternative liegt vor allem darin, dass der Auftraggeber nichts mit Sozialversicherungsbeiträgen, Urlaub und Krankheit des Arbeitnehmers zu tun hat. Meist kommt es alle drei Monate zu einem Auswechseln der Pflegekraft, damit diese sich zu Hause erholen kann. Die Kosten liegen bei ca. 1.500,00 € bis 3.000,00 € für die Pflegekraft zuzüglich der Vermittlungsgebühren für die Agentur. Aber auch hier gilt der Mindestlohn und das Arbeitszeitgesetz. In der Regel muss wenigstens ein freier Tag pro Woche der Pflegekraft gewährt werden. Diese Betreuungszeiten müssen die Angehörigen selbst organisieren.

 

Die Stiftung Warentest hat die Vermittlungsagenturen getestet. Pflegekraftsuchende sollten diesen Test genau studieren.

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