Der Hausbau (3. Teil: Der Architektenvertrag)

Eine zentrale Pflicht des Architekten besteht darin, im Zuge seiner Planung die Kosten des Bauvorhabens zu ermitteln. In der Praxis erweist sich der ermittelte Kostenaufwand jedoch nicht selten als unzureichend. Ist dem Architekten eine Fehlkalkulation unterlaufen, dann steht dem Bauherrn aufgrund dieser Pflichtverletzung ein Schadensersatzanspruch zu.

Damit der Bauherr den Anspruch aus der Bausummenüberschreitung erfolgreich geltend machen kann, hat er auf eines im besonderen zu achten:
Das Gesetz gewährt dem Bauherrn einen Schadensersatzanspruch regelmäßig nur dann, wenn er dem Architekten zunächst die Gelegenheit der Nachbesserung gegeben hat. Der Architekt muß die Möglichkeit haben, durch neue planerische Bemühungen die Baukosten auf den vorgegebenen Betrag zu senken. Der Bauherr kann also nicht etwa das Bauvorhaben sehenden Auges zu den überhöhten Kosten ausführen und sich nach Beendigung an den Architekten wenden. Er muß diesen vielmehr möglichst frühzeitig zur Nachbesserung unter Fristsetzung auffordern. Diese Aufforderung sollte zum Zwecke der Nachweisbarkeit schriftlich erfolgen.

Die Fristsetzung ist lediglich dann entbehrlich, wenn das Bauvorhaben im Zeitpunkt der voraussehbaren Kostenüberschreitung bereits soweit fortgeschritten ist, daß eine Planüberarbeitung zur Kostensenkung nicht mehr möglich ist oder, wenn der Architekt deutlich zu erkennen gibt, daß er Maßnahmen zur Kostensenkung trotz entsprechender Aufforderung nicht ergreifen wird.

Verhält sich der Bauherr richtig, dann läßt sich der Schadensersatzanspruch durchsetzen. Gänzlich schadlos halten kann er sich aber nur bei grob fehlerhafter Kostenermittlung des Architekten. In den übrigen Fällen gewährt die Rechtsprechung dem Architekten im Rahmen der Kostenermittlung einen Spielraum. Die geforderte Genauigkeit der Kostenermittlung orientiert sich dabei vor allem an der Art des Bauvorhabens (Großbauvorhaben oder Einfamilienhaus, Neubau oder umfangreicher Umbau etc.) sowie daran, in welchem Planungsstadium die angegriffene Kostenermittlung erstellt wurde. Die Toleranzgrenze bemisst sich mithin anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls.

veröffentlicht am 17.11.2004 in Brühl

von Herrn RA Dr. Thomas Schmidt,
Fachanwalt für Baurecht