Der Hausbau (2. Teil: Der Architektenvertrag)

Durch den frühzeitigen Abschluß eines schriftlichen Architektenvertrages lassen sich Unklarheiten im Zusammenhang mit der Beauftragung des Architekten vermeiden. Gleichzeitig kann den im 1. Teil geschilderten Honorarstreitigkeiten vorgebeugt werden. Bei Vertragsabschluß ist auf Folgendes zu achten:

Innerhalb des Architektenvertrages sollte die geschuldete Architektenleistung so genau wie möglich bezeichnet werden (Beispiel: „Einfamilienhaus mit großem Wohnzimmer, separatem Esszimmer, Küche, Eltern-, Kinder-, und Gästezimmer, zwei Bäder, ausgebautem Keller, Doppelgarage und Terrasse zu Gesamtkosten von XX €“).

Der Auftragsumfang sollte sich zweifelsfrei aus dem Vertrag ergeben. So ist es etwa möglich, den Architekten lediglich mit der Planung oder darüber hinaus auch mit der Überwachung der Baumaßnahmen zu beauftragen. Es empfiehlt sich hier auf die in der Honorarverordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) und den hierin enthaltenen Beschreibungen der einzelnen Leistungsphasen zurückzugreifen.

Nutzlose finanzielle Aufwendungen können für den Fall des später scheiternden Bauvorhabens vermieden werden! Die Vertragsparteien können die Entstehung des Honorarsanspruchs bei hinreichend klarer vertraglicher Absprache etwa von dem Grundstückserwerb durch den Bauherrn oder von dem tatsächlichen Baubeginn abhängig machen.

Aus Sicht des Bauherrn ist dem gegenüber die schriftliche Vereinbarung des Architektenhonorars von nachrangiger Bedeutung. Dieser wird durch das Gesetz vor einer überhöhten Inanspruchnahme hinreichend geschützt. Bei nicht erfolgter Vergütungsabsprache besteht auf seiten des Architekten zwar ein Anspruch auf Zahlung der „üblichen Vergütung“. Diese ist jedoch im Architektenrecht wirksam auf den Mindestsatz nach der Honorarordnung beschränkt.

Wurde ein schriftlicher Architektenvertrag geschlossen, dann hat diese Urkunde in einem späteren Rechtsstreit die Vermutung der Vollständigkeit und Richtigkeit für sich. Wer sich mithin auf zusätzliche Absprachen oder mündliche Änderungen des Vertrages beruft, hat dies zu beweisen. Gleichwohl ist der Bauherr im Falle aufkeimender Auseinandersetzungen gut beraten, sich frühzeitig um anwaltliche Hilfe zu bemühen.

veröffentlicht am 06.10.2004 in Brühl

von Herrn RA Dr. Thomas Schmidt,
Fachanwalt für Baurecht