Der Hausbau (1. Teil: Der Architektenvertrag)

Als planerisch und rechtlich unerfahrener Bauherr ist man in der Praxis auf die Hilfestellung eines Architekten angewiesen. Für den Bauherrn können jedoch unangenehme Architektenkosten insbesondere in zwei Fällen entstehen:

Der ratsuchende Bauherr nimmt von der weiteren Beschäftigung des Architekten Abstand, bevor er selbst von der Beauftragung des Architekten ausgegangen ist.

Für die rechtsverbindliche Beauftragung eines Architekten ist der Abschluß eines schriftlichen Vertrages nicht erforderlich . Es ist daher möglich, dass den Bauherrn eine Rechnung erreicht, obwohl er nach eigener Ansicht von einer Beauftragung des Architekten abgesehen hatte. Der Architekt sieht etwa die anderweitige Beauftragung eines Kollegen als Kündigung seines Vertrages. Er rechnet ab, da er seine bisherige Tätigkeit (Planungsüberlegungen, Beratung etc.) nicht als reine Akquisitionsleistung aufgefasst hat. Im ungünstigsten Fall kann dabei sogar Streit über die Frage der sogenannten Vollbeauftragung (Planung und Betreuung des gesamten Vorhabens einschließlich der Überwachung der Mängelbeseitigungsarbeiten) entstehen. Der Architekt ist nämlich im Falle der Kündigung ohne wichtigen Grund nicht allein zur Abrechnung seiner bereits erbrachten Leistungen berechtigt; vielmehr kann er darüber hinaus – verkürzt gesprochen – auch den zu erwartenden Gewinn aus seiner nicht ausgeführten Tätigkeit verlangen.
Im Zuge der Auftragsarbeit des Architekten zerschlägt sich das Bauvorhaben.

Architektenverträge werden nicht selten schon vor Sicherstellung des Bauvorhabens geschlossen. Schwierigkeiten können vor allem dann auftreten, wenn der Bauherr von dem Kauf des zu bebauenden Grundstückes – etwa aufgrund bestehender Finanzierungsprobleme – schlussendlich absieht. Die Wirksamkeit des Architektenvertrages wird hierdurch nicht berührt. Es hat sich ein vertragliches Risiko realisiert, welches im Grundsatz vom Bauherrn zu tragen ist.

Diesen Risiken lässt sich vorbeugen.

veröffentlicht am 29.09.2004 in Brühl

von Herrn RA Dr. Thomas Schmidt,
Fachanwalt für Baurecht