Das Nottestament

Der Erblasser kann ein Testament machen, um so die gesetzliche Erbfolge auszuschließen, z. B. dann, wenn er nur weit entfernt verwandte Erben hat. Befindet er sich in naher Todesgefahr und kann dies nicht mehr persönlich tun, aber auch keinen Notar mehr mit der Errichtung eines Testaments beauftragen, kann er ein sogenanntes „Nottestament“ fertigen. Dies kann er z. B. zur Niederschrift des Bürgermeisters der Gemeinde, der zur Beurkundung zwei Zeugen hinzuziehen muss, errichten. Bürgermeister und Zeugen müssen dann ebenfalls das Testament unterschreiben. Wenn der Erblasser nach seinen Angaben oder nach der Überzeugung des Bürgermeisters seinen Namen nicht schreiben kann, kann die Unterschrift durch die Feststellung dieser Angabe oder die Niederlegung der Überzeugung des Bürgermeisters in der Niederschrift des Testaments ersetzt werden.

Selten gibt es auch das Nottestament vor drei Zeugen, wenn sich der Erblasser an einem Ort aufhält, der infolge außergewöhnlicher Umstände derart abgesperrt ist, dass die Errichtung eines Testaments vor einem Notar nicht möglich/erheblich erschwert ist. In diesem Fall kann ein Testament durch mündliche Erklärung vor drei Zeugen errichtet werden, die hierüber eine Niederschrift aufnehmen müssen. Erst jüngst hat das Kammergericht Berlin entschieden, dass ein 2-Zeugen-Testament formunwirksam ist (vgl. Beschluss vom 29.12.2015, AZ: 6 W 93/15). Ein Nottestament ist nur drei Monate gültig. Wenn der Erblasser dann noch lebt, gilt es als nicht errichtet.

Rechtstipp: Alte und kranke Menschen sollten rechtzeitig, wenn sie ein Testament errichten möchten, dies selbst oder vor einem Notar tun und nicht abwarten, bis sie hierzu körperlich zu schwach und in naher Todesgefahr sind.

veröffentlicht am 28.12.2016 in Brühl

von Frau RA´in Sylvia Kahle,
Fachanwältin für Familienrecht