Augen auf beim Wohnungskauf!

Die derzeit sensationell niedrigen Bauzinsen veranlassen viele, den Kauf einer (gebrauchten) Eigentumswohnung in Erwägung zu ziehen, da unter Umständen durch die eingesparte Miete die Eigentumswohnung finanziert werden kann. Dabei sollte aber beachtet werden:

– Der bauliche Zustand des ganzen Hauses sollte durch einen Fachmann genau untersucht werden, da Renovierungsarbeiten und Instandsetzungsarbeiten am Gemeinschaftseigentum auf die Eigentümer umgelegt werden, was unter Umständen sehr teuer werden kann (Betonsanierung, neues Dach, neue Heizung, neue Installationen etc.).
– Die Lage des Objektes sollte überprüft werden im Hinblick auf Verkehrsanbindungen, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergärten, Ärzte, aber auch Immissionen durch Verkehrslärm etc..
– Alle Betriebskosten werden auf die Eigentümer umgelegt (sogenanntes Hausgeld). Dieses ist höher als die Nebenkosten der Mieter, da die Eigentümer auch die Instandsetzungs- und Verwalterkosten zusätzlich tragen müssen.
– Erfragen sollte man auch, ob zu Gunsten anderer Eigentümer Sondernutzungsrechte am Gemeinschaftseigentum bestehen.
– Die Inhalte der sogenannten Teilungserklärung sollten genau verglichen werden mit den Eintragungen im Grundbuch, da manchmal die Teilungserklärung nicht mit dem Grundbuch überein stimmt.
– Sinnvoll ist auch, die bisherigen Protokolle und Beschlüsse der Eigentümerversammlung genau zu lesen, da die Beschlüsse auch für die neuen Eigentümer bindend sind. Durch die Protokolle erfahren potentielle Erwerber auch die Streitfragen im Objekt.
– Je größer das Objekt, desto unüberschaubarer sind die Risiken für den Erwerber einer Eigentumswohnung.

Die Beispiele aus Kerpen machen deutlich, welche katastrophalen Konsequenzen es haben kann, wenn einzelne Eigentümer weder Hausgeld noch Instandhaltungsumlagen zahlen können, etwa wegen Insolvenz (Verwahrlosung, Leerstand, Unbewohnbarkeit und eventueller Abriss des gesamten Objektes). Der Verwalter kann Auskunft erteilen, ob solche Forderungen offen sind und alle Verbindlichkeiten der Eigentümergemeinschaft gezahlt sind.

von Herrn RA Herbert Poetes

veröffentlicht am 25.06.2014